Wer mit einem ausländischen Führerschein dauerhaft in Deutschland lebt, kommt am Umschreiben meist nicht vorbei: Nach der Begründung des ordentlichen Wohnsitzes darf die ausländische Fahrerlaubnis in der Regel nur noch sechs Monate genutzt werden. Diese Anleitung führt durch die komplette Umschreibung — wer sie braucht, welche Unterlagen die Führerscheinstelle verlangt, was sie kostet und wo die häufigsten Fehler passieren. Mit dem aktuellen Sonderfall 2026: Ukrainische Führerscheine werden seit dem 18. August ohne Prüfungen umgeschrieben.
Wer muss den Führerschein umschreiben lassen — und wer nicht?
EU- und EWR-Führerscheine gelten in Deutschland unbegrenzt weiter — hier ist die Umschreibung freiwillig und wird erst beim Ablauf des Dokuments zum Umtausch. Alle übrigen Länder: Nach sechs Monaten ordentlichen Wohnsitzes in Deutschland berechtigt der ausländische Führerschein nicht mehr zum Fahren — wer weiter ans Steuer will, beantragt die Umschreibung in eine deutsche Fahrerlaubnis. Eine Ausnahme bilden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Solange der Schutzstatus (§ 24 AufenthG) läuft, wird der ukrainische Führerschein anerkannt — die Umschreibung wird aktuell, wenn man langfristig bleibt.
Mit oder ohne Prüfung? Die Anlage 11 entscheidet
Ob Sie Prüfungen ablegen müssen, hängt vom Ausstellungsland ab. Staaten aus der Anlage 11 FeV stellt Deutschland gleich: Deren Führerscheine werden ohne theoretische und praktische Prüfung umgeschrieben — teils vollständig, teils für einzelne Klassen. Seit dem 18.08.2026 steht auch die Ukraine in der Anlage 11 — ukrainische Führerscheine der gelisteten Klassen werden ohne Prüfungen umgeschrieben; für LKW- und Busklassen (C/D) kommen ärztliches Gutachten und Sehtest hinzu. Für Länder außerhalb der Liste gilt: Theorie- und Praxisprüfung in Deutschland — mit Fahrschule, aber ohne Pflichtstunden.
Schritt 1: Anforderungen der eigenen Führerscheinstelle prüfen
Zuständig ist die Führerscheinstelle am Wohnsitz — und die genaue Unterlagenliste unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. Ein Blick auf die Seite Ihrer Stadt erspart den zweiten Termin: In Bielefeld etwa steht die Übersetzung des Führerscheins ausdrücklich in der Liste, als Bearbeitungszeit sind 4–6 Wochen angegeben.
Schritt 2: Unterlagen zusammenstellen
- der ausländische Führerschein;
- die beglaubigte Übersetzung mit Klassifizierung der Fahrerlaubnisklassen — von einem in Deutschland vereidigten Übersetzer (für EU-Kartenführerscheine entfällt sie; manche Stellen machen auch bei neuen Kartenmodellen mit lateinischer Schrift Ausnahmen — vorher fragen);
- Ausweis oder Reisepass mit aktueller Meldebescheinigung;
- ein biometrisches Passfoto;
- für die Klassen C/D zusätzlich ärztliches Gutachten und Sehtest; kommt der Führerschein aus einem Land außerhalb der Anlage 11, verlangt die Stelle für die Prüfungen auch Sehtest und Erste-Hilfe-Nachweis.
Schritt 3: Termin buchen und Antrag stellen
In den meisten Städten läuft die Terminvergabe über das Serviceportal der Stadt. Beim Termin stellen Sie den Antrag auf Umschreibung, geben die Unterlagen ab und zahlen die Gebühr — deren Höhe legt die Führerscheinstelle fest, üblich sind rund 35–45 €; Sehtest oder Gutachten kommen gegebenenfalls dazu.
Schritt 4: Prüfung der Unterlagen abwarten
Die Behörde prüft Antrag und Echtheit des ausländischen Führerscheins — das dauert je nach Stadt einige Wochen (in Bielefeld offiziell 4–6). Ob Sie in dieser Zeit fahren dürfen, hängt von Ihrem Fall ab: EU-Inhaber ja, Ukrainer mit Schutzstatus ja — bei abgelaufener Sechs-Monats-Frist anderer Länder dagegen nicht.
Schritt 5: Deutschen Führerschein abholen
Nach der Prüfung werden Sie zur Abholung eingeladen. Der ausländische Führerschein wird bei der Ausgabe in der Regel einbehalten oder entwertet — wenn er Ihnen wichtig ist, klären Sie das Vorgehen bei der Antragstellung.
Häufige Fehler beim Umschreiben
- Auf einen „automatischen“ Umtausch warten. Der deutsche Führerschein kommt nicht von selbst — die Umschreibung muss beantragt werden.
- Ohne Übersetzung erscheinen. Die meisten Führerscheinstellen verlangen die beglaubigte Übersetzung mit Klassifizierung — ohne sie wird der Antrag nicht angenommen, der Termin verfällt.
- Übersetzung „von Bekannten“. Anerkannt sind nur Übersetzungen vereidigter Übersetzer in Deutschland (oder des ADAC) — private Übersetzungen gehen zurück.
- Bei C/D-Klassen zu spät starten. Ärztliches Gutachten und Sehtest brauchen Vorlauf — mit ihnen beginnen.
- Namensschreibweise nicht abgleichen. Die Transliteration in der Übersetzung muss zum Reisepass passen — sonst passen die Dokumente nicht zusammen.
Häufige Fragen
Was kostet es, den Führerschein umschreiben zu lassen?
Die Behördengebühr liegt meist bei rund 35–45 € — die genaue Höhe nennt Ihre Führerscheinstelle. Dazu kommen je nach Fall die beglaubigte Übersetzung mit Klassifizierung (bei uns 59 €), Passfoto, Sehtest oder ärztliches Gutachten. Ein Umtausch ohne Prüfungen bleibt damit weit unter den Kosten eines neuen Führerscheins.
Wie lange dauert die Umschreibung?
Von der Antragstellung bis zur Ausgabe vergehen meist mehrere Wochen — in Bielefeld sind offiziell 4–6 Wochen angegeben. Terminwartezeiten und fehlende Unterlagen verlängern den Weg; die Übersetzung lässt sich vorab online erledigen.
Was ist die Anlage 11 — und steht mein Land drin?
Die Anlage 11 zur Fahrerlaubnis-Verordnung listet Staaten, deren Führerscheine ohne Prüfungen (teils mit Auflagen für einzelne Klassen) umgeschrieben werden. Die aktuelle Fassung ist öffentlich einsehbar; seit dem 18.08.2026 gehört auch die Ukraine dazu. Steht Ihr Land nicht in der Liste, sind Theorie- und Praxisprüfung nötig.
Muss die Übersetzung vom ADAC kommen?
Nein. Führerscheinstellen akzeptieren die beglaubigte Übersetzung mit Klassifizierung von einem in Deutschland vereidigten Übersetzer genauso — so auch in Bielefeld. Wichtig ist, dass Klassifizierung, Stempel und Unterschrift enthalten sind.
Darf ich fahren, während der Antrag läuft?
Das kommt auf Ihren Fall an: EU-Führerscheine gelten weiter, ukrainische im Schutzstatus ebenfalls. Ist bei anderen Ländern die Sechs-Monats-Frist abgelaufen, dürfen Sie bis zur Ausgabe des deutschen Führerscheins nicht fahren — verbindlich beantwortet das Ihre Führerscheinstelle.
Ich komme aus der Ukraine — was gilt für mich?
Seit dem 18.08.2026 werden ukrainische Führerscheine ohne Prüfungen umgeschrieben; solange der Schutzstatus läuft, dürfen Sie auch mit dem ukrainischen Dokument fahren. Alle Details, Unterlagen und die Übersetzung mit Klassifizierung finden Sie auf unserer Seite Umschreibung ukrainischer Führerscheine.
Kurz: der ganze Weg
Anforderungen der eigenen Stadt prüfen → Unterlagen sammeln und die beglaubigte Übersetzung mit Klassifizierung bestellen → Antrag stellen und Gebühr zahlen → einige Wochen warten → deutschen Führerschein abholen. Die Übersetzung ist der einzige Schritt, der sich komplett online erledigen lässt: Führerscheinübersetzung mit Klassifizierung bestellen — 59 €, fertig in 5–8 Arbeitstagen. Fragen zu Ihrem Fall? Schreiben Sie uns.